Muhamed Nukic stellt Kunststoffgranulat nach Kundenwünschen her
An der Extrusionsanlage arbeiten die Männer in drei Schichten. Muhamed Nukic reinigt die verstopften Filtrationssiebe des Siebwechslers und ersetzt die stumpf gewordenen Granuliermesser, die die Kunststoffmasse in kleinste Stücke teilen.Es knallt zweimal hintereinander wie Schüsse, wenn der Druck im Extruder nach der Wartungsarbeit wieder aufgebaut wird. In der Maschine herrscht ein permanentes Vakuum, damit kein Wasserdampf in der Kunststoffschmelze eingeschlossen wird.Der junge Mann in blauer Arbeitskleidung überwacht die Herstellung von Kunststoffgranulat. Er ist für alle Prozesse der zwei Stockwerke hohen Maschine zuständig. Sie ist fast so lang wie eine Lokomotive und sie schnauft und dampft auch so. Alle Maschinenteile sind sehr heiss, bis über 250 Grad Celsius. Das bedingt sorgfältiges Arbeiten. Muhamed Nukic beaufsichtigt alle Arbeitsschritte: Von der Materialaufgabe der Kunststoffmischung aus einem Silo auf dem Boden bis hinauf auf die erhöhte Metallplattform, über die Zugabe von Farbpulver und Weichmacher bis hin zur Dosierung. Er produziert so genanntes Regranulat meist nach Kundenwünschen. Für das Lager und in die sechs Silos im Aussenbereich wird in einem andern Bereich Granulat hergestellt. Alle Arbeitsprozesse sind hintereinander installiert und alle muss Muhamed Nukic allein im Auge behalten. Auch die Produktionsbedingungen wie Temperatur, Druck, die Geschwindigkeit mit der die warme Kunststoffmasse die Düsen passiert. Ein Gebläse befördert die winzigen fertigen Kunststoffpellets nach dem Abkühlen in so genannte Big Packs. 1100 bis 1400 Kilogramm Kunststoffgranulat stehen damit für die Kundschaft in aller Welt bereit.Es ist heiss in der Fabrikationshalle im Industriequartier Mettlen am Rand von Appenzell. Drei verschiedene Verarbeitungsmaschinen stehen hier. Hubstapler holen und bringen Rohmaterial. Die Luft scheint klebrig vom Plastikgeruch. Und es ist laut; alle 15 Arbeiter – meist von ausländischer Herkunft – tragen Ohrschützer.Der zu recyclierende Kunststoff wird aus der ganzen Schweiz und aus vielen europäischen Staaten bei Minger Kunststofftechnik angeliefert. Bei Bedarf wird das Material geschreddert, Metallteile werden entfernt. Die gewonnenen Mahlgüter werden in unterschiedlichen Verfahren eingeschmolzen und granuliert. Je nach Bedarf des Kunden werden bei der Granulatproduktion verschiedene «Zutaten» beigemischt, damit ein hitzebeständiges, schlagfestes, weiches, weisses, schwarzes oder buntes Enprodukt entsteht. Hergestellt werden unterschiedliche Qualitäten. «Der Preis pro Kilo Granulat variiert zwischen wenigen Euros bis zu 150 Franken», erklärt Betriebsleiter Bernhard Lämmler. Die Geschicke der Minger Kunststofftechnik AG leiten neben ihm fünf Verwaltungsräte und zwei Mitarbeiterinnen in der Administration.Muhamed Nukic arbeitet seit fünf Jahren hier. Er erklärt kompetent die einzelnen Verfahrensschritte, mit der «seine» Maschine aus altem Kunststoff neuen herstellt. Der 33–Jährige hat in Stuttgart einen Kurs für die Bedienung und Wartung der Extrusionsmaschine absolviert. Er ist nicht ganz zufrieden mit seinem gebrochenen Deutsch. Hier arbeitet der gelernte Automechaniker aus Bosnien–Herzegowina hauptsächlich mit Landsleuten zusammen. Ihm fehle die Praxis in der deutschen Sprache, sagt er, und sie sei schwierig. Bevor er vor sieben Jahren nach Appenzell gekommen ist, arbeitete er vier Jahre lang während der Sommersaison in Italien als Küchengehilfe. Da habe er die Sprache leichter gelernt, erzählt er.In seiner Heimat hat er seine Frau Meliha kennengelernt, die in Appenzell aufgewachsen ist und als kaufmännische Angestellte in einem Treuhandbüro arbeitet. Als die beiden heirateten, erhielt Muhamed Nukic eine Anstellung als Küchenbursche im Hotel Hof Weissbad. Dadurch konnte er einen Deutschkurs besuchen.Jetzt hat das Paar drei Kinder. Dass sie zweisprachig aufwachsen, empfindet der junge Vater als grossen Vorteil. Er will hierbleiben «für die Kinder», sagt er, damit sie eine gute Ausbildung und einen Arbeitsplatz erhalten würden. «Was nachher wird, weiss man nicht» meint er ernst auf die Frage nach Heimweh oder einer Rückkehr in sein Heimatland. Er fühle sich wohl hier, betont er. Städte behagen ihm nicht besonders. «Das Dorf ist genau richtig für mich».
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